News

News rund um den Biebricher Fußballverein 1902

11. 07. 2022

Biebrich trauert um Jürgen Migge

Langjähriger Torhüter in der Landesliga nach schwerer Krankheit gestorben

Biebrich. Der Biebricher Fußballverein 02 trägt wieder Trauer. Jürgen Migge, der in den 80ern lange Zeit in der Landesliga das Tor der Blauen gehütet hat, ist am Donnerstag nach langer schwerer Krankheit im Alter von 66 Jahren gestorben. Migge, dessen Vater Kurt schon ein in Wiesbaden bekannter Fußballer war, kam von der Germania zum Dyckerhoff-Sportfeld, wo er schnell zur Institution wurde. „Ein großartiger Torwart. Er hat aber auch viel für den Zusammenhalt der Mannschaft getan, war in seiner Zeit ein ganz wichtiger Faktor für uns“, würdigt Ehrenvorsitzender Horst Klee den ehemaligen 02-Kapitän.

Als Jürgen Migge später unter Andreas Ludewig Co-Trainer war, sprang er mit fast 40 Jahren und trotz wiederholter Schulterverletzungen noch einmal aktiv ein, um das blutjunge Team, in dem mittlerweile auch sein jüngerer Bruder Kurt junior spielte, nach Abstieg und starkem Aderlass in der Bezirksoberliga zu stabilisieren. Das gelang. Er übernahm selbst das Traineramt, wurde in den Vorstand gewählt. Beruflich zum Chef der Kalle-Albert-Kantine aufgestiegen, war er Mitorganisator der großen Feiern zum 100-jährigen Bestehen 2002.

Manager der „Blauen Nacht“

Er managte die Vereinsauftritte beim Mosburgfest im Biebricher Schlosspark, vor allem auch die „Blaue Nacht“, das unvergessene Zeltfest des Freundeskreises auf dem Sportplatz, das 16 Jahre lang Geld in die Jugendkasse des Biebricher Fußballvereins spülte. „Die 02-Familie wird Jürgen Migge sicher nicht vergessen“, ist Vorsitzender Heinz-Jürgen Hauzel überzeugt. „Er war ein lieber, ein loyaler und immer engagierter Freund, der seinen Platz in unseren Erinnerungen behalten wird.“

Quelle: fupa.net

04. 07. 2022

Mitgliederzuwachs bei Biebrich 02

Bei den Blauen läuft es zudem auch im sportlichen Bereich +++ 20. Verbandsliga-Saison am Stück

Wiesbaden. Der Biebricher Fußballverein 02 hat die ersten zweieinhalb Pandemie-Jahre gut überstanden. Vorsitzender Heinz-Jürgen Hauzel berichtete im Rahmen der Jahreshauptversammlung von einer um mehr als zehn Prozent gestiegenen Mitgliederzahl, von bedeutenden sportlichen Erfolgen vor allem im Jugendbereich und einer gesicherten finanziellen Situation.

„Das war ein Gemeinschaftswerk von Vorstand, Spielern, Trainern, Mitgliedern und den Unterstützern in unserem Freundeskreis“, sagte Hauzel. „Das Clubheim wurde renoviert und das Dach neu gedeckt, sodass wir auch künftig nicht im Regen stehen werden.“ Als Erfolg wertete er es auch, dass Ortsbeirat und Magistrat binnen drei Monaten dem Vorschlag der 02er gefolgt sind und beschlossen haben, das Dyckerhoff-Sportfeld nach dem im März gestorbenen Biebricher Fußball-Weltmeister Jürgen Grabowski zu benennen.

20. Verbandsliga-Saison in Folge

Der Vorsitzende betonte, dass bei den Blauen weiterhin verlässlich solide gearbeitet sowie auf Jugend und Kontinuität gesetzt werde. Was Konstanz in Biebrich bedeutet, machte er an der ersten Mannschaft fest, die nun in ihre ununterbrochen 20. Saison in der Verbandsliga geht, davon die vergangenen zehn Jahre mit Nazir Saridogan als Trainer. Die zu wählenden Vorstandsmitglieder wurden allesamt einstimmig in ihren Ämtern bestätigt. Reinhold Dengler wurde vom Ehrenvorsitzenden Horst Klee für 65-jährige Vereinstreue geehrt, Peter Groh und Hans Putz für 60-jährige, Wilfried Wehnert, Klaus Tobies und Heinz-Jürgen Hauzel für 50-jährige Mitgliedschaft. Die Vorstandsmitglieder Kerstin Prassol und Uwe Kilian, die Jugendbetreuerin Brigitte Kreutzer sowie die Förderer Prof. Hans-Jürgen Prott und Norbert Huhn sind seit 15 Jahren dabei.

Quelle: fupa.net

29. 06. 2022

Biebrichs U18 verspielt Verbandsliga-Aufstieg am grünen Tisch

Wie ein Malheur beim vorentscheidenden Spitzenspiel gegen die SG Orlen die A2-Junioren der 02er den Meistertitel kostete

Wiesbaden. Die Bilanz der Nachwuchsteams von Biebrich 02 fällt nach dieser Saison beeindruckend aus. Sowohl A-, als auch B- und C-Jugend werden in der kommende Runde in der Hessenliga an den Start gehen. Doch einen kleinen Wermutstropfen gibt es: Auch die Biebricher U18, also die A2-Jugend hatte einen Aufstieg vor Augen. Verpasste diesen jedoch durch eine Niederlage am grünen Tisch.

Denn die eigentlich mit 1:0 gewonnene Partie gegen den späteren Meister SG Orlen, rund vier Wochen vor Saisonende, wurde nachträglich mit 3:0 für die SGO gewertet. Statt also mit vier Punkten Vorsprung auf Rang eins zu stehen und ein paar Spieltage später mit dem Gruppenliga-Titel den Aufstieg in die A-Jugend-Verbandsliga klarzumachen, landete Biebrich letzten Endes mit zwei Zählern Rückstand auf dem zweiten Platz.

Missverständnis über Paragraph 8

Grund für die Niederlage: In besagter Partie hatten vier Spieler mitgewirkt, die im vorherigen Pflichtspiel für die U19 im Einsatz gewesen waren. Erlaubt sind jedoch nur maximal drei gemäß der Hessischen Jugendordnung. „Natürlich wollten wir in diesem Spiel unsere A2 ein wenig stärker machen“, gibt Steindorf zu. Sie wurde zu stark.

Denn den entsprechenden Paragraphen 8, der den Einsatz in „Unteren Mannschaften“ regelt, hatten die 02er falsch interpretiert, wie Biebrichs Jugendleiter Hartmut Steindorf einräumt. Steindorf war davon ausgegangen, dass als „letztes Pflichtspiel“ dabei die vorangegangene Hessenpokal-Partie der U19 zähle. Diese Auffassung habe sich Steindorf nach eigener Aussage gar durch Klassenleiter Thomas Meister vier Wochen im Vorhinein der Partie telefonisch bestätigen lassen. Doch falsch. Das letzte Ligaspiel der U19 war das entscheidende Kriterium. „So etwas ist mir zuvor in 40 Jahren Tätigkeit als Jugendleiter nicht passiert. Dafür könnte ich mich noch heute selbst ohrfeigen“, ärgert sich Steindorf über sich und das Missverständnis mit dem Klassenleiter.

Akyol: Sind Meister der Herzen

Auch der ehemalige U18-Trainer Yasar Akyol, der sich nun zum Türkischen SV Wiesbaden verabschiedet hat, findet das Biebricher Malheur „ein bisschen ärgerlich“. Nichtsdestotrotz sei die Saison „ein super Erfolg“ gewesen. „Wir haben im November unsere letzte Niederlage erlitten, meine Jungs haben eine Riesensaison gespielt. Wir sind der Meister der Herzen“, sagt Akyol. Er selbst lässt durchblicken, dass er womöglich noch eine weitere Saison bei Biebrich drangehängt hätte, würde der Unterbau nun in der U19-Verbandsliga spielen.

Quelle: fupa.net

15. 06. 2022

Biebrich: Drei blaue Teams in der Hessenliga

02 gelingt mit dem Aufstieg der B-Jugend und dem Klassenerhalt der C-Jugend Einmaliges.

Wiesbaden. „Das ist unglaublich, aber auch verdammt schwierig, sowohl sportlich als auch finanziell“, fasst es Hartmut Steindorf zusammen. Der ewige Jugendleiter von Biebrich 02 freut sich über eine Premiere. Erstmals spielen die Blauen in der nächsten Saison mit allen drei ältesten Jugendteams in der Hessenliga. Abseits der Vereine mit Nachwuchsleistungszentren gelingt das mit Erlensee aus dem Kreis Hanau und Barockstadt Fulda nur zwei weiteren hessischen Clubs.

Die A-Jugend spielte bekanntlich schon in dieser Runde in der Liga eine gute Rolle, ärgerte unter anderem auch den SVWW. Der Klassenerhalt stand schon frühzeitig fest. Bei den externen Zugängen sind auch zwei Spieler mit SVWW-Vergangenheit darunter. Pascal Koch kommt über den Umweg Eisbachtal nach Wiesbaden und der Biebricher Bub Dawid Kavira kehrt wieder heim. „Wir sollten mit der Truppe nichts mit dem Abstieg zu tun haben“, wäre alles andere für Steindorf eine Enttäuschung.

Die B- und C-Jugend sieht der Jugendleiter angesichts von vier Absteigern in den jeweiligen 14er-Klassen vor einer Herkulesaufgabe. Die eine oder andere Verstärkung würden den Teams noch gut tun. Die C-Jugend hat schon eine turbulente Saison hinter sich, nachdem vor der Runde der fest eingeplante Trainer plötzlich abgesagt hatte. Nach vielen Niederlagen hat sich die C-Jugend dann in der Abstiegsrunde mit fünf Siegen aus sieben Spielen gerade noch gerettet. Das junge Trainerteam um den 24-jährigen Lukas Steindorf und den A-Jugendspieler Emil Pienning wurde in der entscheidenden Saisonphase noch von dem bei Kastel 06 im Tor spielenden Pascal Bertram ergänzt, der nochmals neue Impulse reinbrachte.

Die B-Jugend machte in einer spannenden Verbandsligasaison das Biebricher Glück perfekt. Trainer Dennis Groth, der auch nächste Saison am Ruder bleibt, und sein Team führten seit dem Winter die Tabelle an. Eine Niederlage beim Verfolger aus Bad Vilbel ließ den Vorsprung auf einen Punkt schmelzen. In Alzenau folgte dann ein Sieg in der Nachspielzeit nach Rückstand. Im letzten Saisonspiel tüteten dann die blaue B-Jugend den Titel und den Aufstieg mit einem souveränen 5:0 gegen Dornheim ein. „Der Zusammenhalt in jeder Mannschaft ist sehr groß. Jetzt wünsche ich mir nur noch etwas mehr Leben auf dem Sportplatz bei unseren Jugendheimspielen“, sagt Hartmut Steindorf.

Quelle: fupa.net

21. 04. 2022

Volkan Zer auf den Spuren von Kloppo

Besondere Begegnung mit Kultcoach – der Torjäger hört als Spieler auf und steigt im 02-Trainerstab ein

WIESBADEN (nn). Dieses Ende ist zugleich ein Neuanfang. Volkan Zer beendet nach dieser Runde beim Fußball-Kreisoberligisten Türkischer SV seine facettenreiche Spielerlaufbahn mit unglaublichen 18 Jahren im Aktivenbereich, um beim Verbandsliga-Club FV Biebrich 02 zusammen mit Savas Saridogan den Co-Trainerpart unter Chefcoach Nazir Saridogan zu übernehmen. Und gleichzeitig wieder auf seinen jüngeren Bruder Orkun (32) zu treffen, mit dem er bei den 02ern zwischen 2009 und 2016 ein kongeniales Torjäger-Tandem gebildet hatte. „Im Sommer ist definitiv als Spieler Schluss. Es ist wirklich nicht der Plan, nochmals in Biebrich zu spielen. Das ist jetzt der richtige Moment, um als Spieler aufzuhören. Das spüre ich genau“, betont der 36-Jährige, der mit dem Türkischen SV noch um den Kreisoberliga-Titel kämpft, zudem im Pokalfinale gegen die Germania steht – und sich somit im günstigsten Fall mit dem Double von der Spieler-Bühne, auf der er sich in heimischen Sphären viel Anerkennung erworben hat, verabschieden kann.

Um im Sommer bei Biebrich 02 ein neues Kapitel in Sachen Fußball aufzuschlagen. „Ich will Trainerscheine machen, von Nazir lernen und den Jungs meine Erfahrungen weitergeben. Mir geht es auch darum, das Vereinsleben attraktiver zu machen. Es soll wieder etwas Besonderes sein, in Biebrich Fußball zu spielen. Dazu gehört vor allem auch, die vorhandenen Talente zu fördern, aber auch Wiesbadener Talente von der Kreisoberliga und der Gruppenliga zu entdecken“, umreißt Volkan Zer seine künftigen Ziele. Als Fan von Mainz 05 schaue er sich die Heimspiele der 05er seit geraumer Zeit immer mehr auch unter dem Blickwinkel taktischer Ausrichtungen und der Passwege an, quasi bereits mit dem Trainer-Auge, schildert der Stürmer. 02-Sportchef Malte Christ habe ihn vor längerer Zeit auf den Co-Trainerpart angesprochen, mit Nazir Saridogan, dem er freundschaftlich verbunden ist, sei dann alles besiegelt worden, erläutert Volkan Zer.

Für die Zer-Brüder hatte alles auf der Sportanlage des FSV Schierstein 08 begonnen. „Nach dem Mittagessen waren wir bei Wind und Wetter immer den ganzen Tag auf dem Platz. Da bekomme ich immer noch Gänsehaut. An den Verein Schierstein 08, die Trainer und Menschen habe ich nur positive Erinnerungen“, reflektiert Volkan Zer. Es war auch die Zeit, als Vater Halit Zer – 02-Vorsitzender Horst Klee hatte entscheidend dazu beigetragen, dass der frühere türkische Profi nach Deutschland gelangte – als Trainer der SKG Karadeniz bis in die Gruppenliga aufstieg. Mutter Askin Zer trägt die familiäre Begeisterung für den Fußball bis heute mit.

Der TuS Dotzheim wurde für Volkan Zer unter den Trainern Stephan Schloter und Idris Öztürk zum zweiten Sprungbrett. Die D-Jugend, zu der auch Dennis Ilsemann zählte, absolvierte auch Turnierspiele gegen Eintracht Frankfurt und Mainz 05. Volkan Zer landete prompt als C-Jugendlicher bei der Eintracht. Reiner Ochs, Vater des späteren Profis Patrick Ochs, war sein Trainer. Es folgte im Jahr 2000 der Wechsel in die die U 17 des SV Wehen, der seinerzeit noch ohne das zweite W im Namen firmierte. Dort lernte er Trainer Maik Barthel kennen, den späteren langjährigen Berater von Bayern-Star Robert Lewandowski. Und im Spielerkader stand Christian Maus, der zum engen Freund und Trauzeugen werden sollte. Ferner kam es zu einem unvergessenen Probetraining bei Mainz 05, wo Jürgen Klopp als Coach der Profis zuschaute. „Er hat mich tatsächlich angesprochen. Doch meine Mutter meinte: ‚Der Junge bleibt in Wehen.‘ Das würde mir nie wieder im Leben passieren. Er ist ohnehin meine Lieblingstrainer“, sieht Volkan Zer diese besondere Episode im Rückblick mit einem Lächeln.

In der Zeit, als Djuradj Vasic für Wehens Erste verantwortlich war, hatte Volkan Zer einen Profivertrag bekommen, um schnell festzustellen: „In der Mannschaft mit Ex-Profis und Halbprofis war kein Platz für mich.“ Über ein halbjähriges Intermezzo bei Biebrich 02, damals unter Trainer Bernhard Raab, ging es zurück zur Eintracht, in deren Oberliga-Mannschaft er unter Trainer Petar Hubchev mit seiner Treffsicherheit überzeugte, auch als Schütze wichtiger Tore in Erscheinung trat. Begegnungen mit Alex Schur, Marco Russ und Jan Zimmermann prägten diese Zeit. Aber es wurde klar, dass es mit dem Traum vom Profi nichts mehr wird.

Volkan Zer begann eine Ausbildung im Versicherungsbereich, schloss sich dem damaligen Oberligisten RSV Würges an, spielte anschließend bei der SG Walluf erstmals mit seinem Bruder zusammen und erlebte in der Zeit mit Manager Michael Wagner und Galionsfigur Kenny Achampong „zum ersten Mal ein Vereinsleben kennen“. Richtig Wurzeln schlug er in den sieben Jahren bei Biebrich 02, feierte einen Kreispokalsieg, ehe es beim FC Bierstadt zum erneuten Wiedersehen mit Christian Maus kam. Ein Duo, das blendend harmonierte und im Team von Trainer Torsten Schnabel Kreisoberliga-Meister wurde. Für Volkan Zer der erste Liga-Titel in seiner langen Laufbahn. Der zweite könnte nun zum Abschluss im Trikot des Türkischen SV folgen, wo er mit Clubchef Ilkay Candogan und Trainer Hakan Tutkun ein gutes Verhältnis pflegt.

„Durch den Fußball habe ich von frühester Zeit an viele Freunde kennengelernt. Ich kann nur allen Menschen aller Herkunft für gemeinsame Zeiten danken. Im Fußball spielt es eben keine Rolle, wo man herkommt und aus welchen Verhältnissen man stammt. Man spielt einfach Fußball zusammen, das verbindet. Und es ist so wichtig, dass du als Kind anfängst“, weiß Volkan Zer nur zu gut um die vielen positiven Seiten des Teamsports Fußball. Und freut sich mit seiner Frau Annika, wenn der anderthalb Jahre alte gemeinsame Sohn Lennon – in Anlehnung an Beatle John Lennon und seine Songs eines friedlichen Miteinanders – im Garten mit größter Begeisterung dem Fußball hinterherjagt.

Quelle: WK, 21. 04. 2022

11. 03. 2021

Jürgen Grabowski: Der Eintracht-Star, der niemals abhob

Als Fußballer wie als Mensch setzte der Wiesbadener Maßstäbe. Vor seinem 75. Geburtstag am Sonntag blickt er auf seine bewegte Karriere mit WM-Titel und Frankfurter DFB-Pokal-Triumphen zurück.

Von Stephan Neumann Sportredakteur Wiesbaden

WIESBADEN – Er war der Senkrechtstarter mit eingebauter Bodenhaftung. Der Wiesbadener Jürgen Grabowski blickt auf einen märchenhaften Start seiner Karriere zurück, die einen unfassbar erfolgreichen Verlauf nehmen sollte. Vom SV Biebrich 19 über den FV Biebrich 02 in die Bundesliga zur Eintracht hin zum Weltmeistertitel im eigenen Land beim 2:1 am 7. Juli 1974 im legendären Finale gegen die Niederlande. Genau am Tag seines 30. Geburtstags. 45 Jahre sind seitdem vergangen – für „Grabi“, wie er bis heute respekt- und liebevoll genannt wird, ist das denkwürdige Ereignis in München aber so lebendig, als wäre es erst gestern geschehen.

Der größte Triumph: „1954 stand ich als Zehnjähriger vor einem Geschäft, um die Schwarz-Weiß-Übertragung vom deutschen WM-Titel in der Schweiz zu verfolgen. Und dann gewinnt man 20 Jahre später selbst die Weltmeisterschaft. Das ist unbeschreiblich und niemandem zu erklären. Ich dachte damals nach dem Schlusspfiff: Die Welt gehört dir“, erzählt Grabowski, der im Finale auf der rechten Außenbahn als Einfädler brillierte. In seinem Tonfall schwingt die Begeisterung noch leise mit. Ein „Lautsprecher“ war Gra-bowski ohnehin nie, gleichwohl eine Persönlichkeit mit stets klarer, durchaus auch mal unbequemer Haltung und als geborener Techniker ein über jeden Zweifel erhabener Ausnahmefußballer. Am Sonntag hat der Golf-Liebhaber doppelten Grund zum Feiern: 75. Geburtstag und 45. Jahrestag des WM-Triumphs.

Alles begann in einem kleinen Club

Wie alles anfing: Grabis Glück hat seinen Ursprung in einem kleinen Club, der kürzlich in seinem Beisein das 100-jährige Bestehen feierte. Beim heutigen Wiesbadener B-Ligisten SV Biebrich 19, für den auch sein Vater Anton gespielt hatte, schnürte er als Achtjähriger die Fußballschuhe. „Der Verein mit besonderem Stellenwert“, bekräftigt er. Und würdigt Kurt Klein, seinerzeit in den 1950ern Jugendleiter und Coach bei den 19ern, als ganz wichtigen Impulsgeber. „Er hat unglaubliche Begeisterung vermittelt“, erinnert sich Grabowski an die Zeit, als sein Team hessenweit für Furore sorgte. Als es aber beim Sprung in die A-Jugend an Spielern mangelte, wechselte er zum Nachbarn Biebrich 02.

Auf dem Sprungbrett: Um dort seine Entwicklung zu forcieren. Mit Klaus-Dieter Herrmann, Rainer Köhler, Hansi Vogt und dem aus Oestrich gekommenen Torjäger Gerd Klier schaffte er direkt den Sprung aus der A-Jugend ins Hessenliga-Team von Trainer Heinz „Chef“ Przybilla, das gegen Darmstadt 98, den SV Wiesbaden und Germania Wiesbaden ein Fan-Magnet war. Fünf 18-Jährige in der Ersten – das war sensationell. Grabowski erinnert sich an Spiele vor 6000 bis 7000 Zuschauern. Und an folgende Hessenauswahlberufungen mit Länderpokalspielen unter Trainer Rudi Gellesch, die zum Sprungbrett wurden.

Der Wechsel zur Eintracht: Die Eintracht klopfte an. Es kam 1965 zum Gespräch bei Präsident Rudi Gramlich. „Das ging locker über die Bühne. Ich war stolz, von der Eintracht umworben zu sein. Dann hieß es: Du kriegst 1000 Mark im Monat, – und da gab es keinerlei Feilschen“, schildert Grabows-ki, der am 14. August 1965 vor 52 000 Zuschauern beim 2:0 über den HSV vom neuen Trainer Elek Schwartz, der sein großer Förderer wurde, in der Startelf gebracht wurde, Jürgen Kurbjuhn war sein Gegenspieler. Weitere 440 Startelfeinsätze im Oberhaus sollten hinzukommen. „Dabei wurde ich nie ausgewechselt“, streicht Grabi heraus – eine weitere höchst ungewöhnliche Facette seiner bewegten Laufbahn.

Ruckzuck Nationalspieler: Der Wahl-Wiesbadener Helmut Schön, von 1964 bis 1978 Bundestrainer, erkannte schnell die Fähigkeiten des schmalen Filigrantechnikers, der als echter Straßenfußballer früh den Umgang mit dem Ball unentwegt geübt hatte. Am 4. Mai 1966 gab Grabowski gegen Irland sein Debüt in der Nationalelf, wurde auch für die WM in England nominiert, kam aber nicht zum Einsatz. Was auch daran lag, dass damals keine Einwechselspieler erlaubt waren. „Da gab es aber keinen Frust. Ich war glücklich, dabei gewesen zu sein“, sagt Grabowski, der den Ball beim berühmten Wembley-Tor, das Deutschland zum Vizeweltmeister stempelte, aus heutiger Sicht als „nicht hinter der Linie“ bewertet. 1970 in Mexiko, als Ersatzspieler gebracht werden durften, avancierte er zum besten Einwechselspieler der Welt, durfte am 17. Juni im Jahrhundertspiel gegen Italien (3:4) gar vom Start weg spielen, um in der Nachspielzeit das von Karl-Heinz Schnellinger erzielte 1:1 aufzulegen. Die Verlängerung wurde zum Drama – Deutschland verlor denkbar unglücklich. Der grandiose Titelgewinn bei der EM in Belgien 1972, zu dem der Wiesbadener beitrug, ließ die Enttäuschung von 1970 vergessen.

Das Angebot der Bayern: Zwei Jahre vor Mexiko war Grabowski ein einziges Mal ins Grübeln geraten. „Die Bayern kamen 1968 über Robert Schwan mit einem konkreten Angebot. Das stand damals auf des Messers Schneide. Doch Rudi Gramlich hat keine Freigabe erteilt. Im Nachhinein war ich froh, dass er Nein gesagt hat“, blickt Grabowski zurück, ohne sich zu grämen. 15 Jahre blieb er der Eintracht treu, trug von 1969 bis 1980 die Spielführerbinde. „15 Jahre – da musste man charakterstark sein. Es war gar nicht so einfach, wenn man sich immer neu beweisen muss“, bekennt er.

Doch Grabi besaß auch diese Gabe. „Er war und ist immer authentisch geblieben, hat sich niemals verbiegen lassen und ist zurecht eine Eintracht-Legende aus Wiesbaden“, adelt Wiesbadens Fußballwart Dieter Elsenbast den absoluten Ausnahmespieler.

Quelle: WK, 04. 07. 2019

Fußball-Welt trauert um Jürgen Grabowski

Eintracht-Legende Jürgen Grabowski ist gestorben. Der Wiesbadener Weltmeister von 1974 wurde 77 Jahre alt.

Von Tobias Goldbrunner Stellv. Chefredakteur Inhalte

FRANKFURT – Die Fußball-Welt trauert um Jürgen Grabowski: Der Weltmeister von 1974 ist am Donnerstagabend im Alter von 77 Jahren verstorben. Das bestätigte die Familie von Grabowski am Freitag. Der gebürtige Wiesbadener erlitt in den vergangenen Jahren immer wieder gesundheitliche Rückschläge, unter anderem musste er aufgrund von Nierenproblemen regelmäßig zur Dialyse. Im Januar stürzte Grabowski im Bad, musste nach einem Oberschenkelhalsbruch mehrfach operiert werden. In der Folge kam es zu Komplikationen – letztlich zu viel für die Legende.

Auch bei der Eintracht herrscht große Betroffenheit. „Dass Jürgen Grabowski verstorben ist, ist für uns alle unbegreiflich“, ließ Vereinspräsident Peter Fischer verlauten. Vorstandssprecher Axel Hellmann sagte: „In seiner aktiven Zeit war Jürgen Grabowski vielleicht der vollkommenste Spieler, der für die Eintracht gespielt hat. Seine Aura wirkt bis in die Gegenwart. Grabi, der so gerne bei den Spielen unserer Eintracht dabei war, war generationsübergreifend identitätsstiftend für den Verein.“ Die Eintracht wird beim Bundesliga-Heimspiel an diesem Sonntag gegen den VfL Bochum mit Trauerflor spielen, zudem ist eine Schweigeminute geplant.

Der Spielmacher, der im DFB-Trikot meist Rechtsaußen spielte, wurde mit der deutschen Nationalmannschat auch 1972 Europameister, mit der Frankfurter Eintracht, für die er 15 Jahre lang aktiv war, gewann der Ehrenspielführer 1974 und 1975 den DFB-Pokal sowie 1980 den Uefa-Cup. „Für mich war er einer der größten Künstler, den wir bei der Eintracht hatten – wenn nicht sogar der größte“, würdigte Bundesliga-Rekordspieler Karl-Heinz Körbel seinen langjährigen Teamkollegen zu dessen 75. Geburtstag.

Bei drei Weltmeisterschaften mit dabei

Grabowski begann seine Karriere mit acht Jahren bei seinem Heimatverein SV Biebrich 1919, mit 16 Jahren wechselte er zum FV Biebrich 02. 1965 schloss er sich der Eintracht an. Grabowski kam auf insgesamt 517 Pflichtspiele für die Hessen, erzielte 128 Treffer. 1980 musste er seine Laufbahn nach einem Foul von Lothar Matthäus verletzungsbedingt beenden. Zu seinem Abschiedsspiel zwischen der Eintracht und der WM-Mannschaft von 1974 im damaligen Waldstadion kamen mehr als 40.000 Fans.

Im DFB-Trikot bestritt er 44 Länderspiele, markierte fünf Treffer. Er nahm insgesamt an drei Weltmeisterschaften teil, 1966 blieb er noch ohne Einsatz. Unvergessen seine Vorbereitung zum 2:1-Siegtreffer im WM-Finale 1974. An seinem 30. Geburtstag leitete Grabowski den Treffer von Gerd Müller ein. An jenem 7. Juli 1974 dachte Grabowski: „Die Welt gehört dir.“ Dabei war er nach dem blamablen 0:1 gegen die DDR aus der Mannschaft geflogen, was ihn tief getroffen hat. Als Einwechselspieler gelang ihm dann aber das vorentscheidende 3:2 gegen Schweden und er war wieder in der ersten Elf. „Diesem Spiel“, sagte er immer wieder, „verdanke ich alles.“

Der gebürtige Wiesbadener, der nach seiner Karriere eine Versicherungsagentur betrieb und mit seiner Frau Helga in Taunusstein lebte, war unter anderem auch zwei Mal kurzzeitig Interimstrainer der Eintracht (1977/1978 und 1983/1984). Er saß außerdem im Verwaltungsrat. Eine Manager- oder Funktionärstätigkeit strebte er nie an. Bei jedem Heimspiel der SGE ist Grabowski in der inoffiziellen Hymne des Clubs von „Tankard“ allgegenwärtig: „Wir haben die Eintracht im Endspiel gesehen, mit dem Jürgen, mit dem Jürgen, sie spielt so gut und sie spielt so schön mit dem Jürgen.“

Am Donnerstagabend ist der WM-Held in einem Wiesbadener Krankenhaus verstorben.

Quelle: WK, 11. 03. 2022

Jürgen Grabowski – ein Weltmeister und „feiner Mann“

Der gebürtige Wiesbadener wurde zur Eintracht-Legende, sein 30. Geburtstag sollte der größte sportliche Tag in seinem Leben werden. Ein Nachruf auf Jürgen Grabowski.

Von Stephan Neumann und Torsten Muders

TAUNUSSTEIN/WIESBADEN – Es gibt eigentlich keinen Menschen, der je etwas Schlechtes über ihn geredet hat. Alle, die ihn nur flüchtig gekannt haben, oder sich auch seine Freunde nannten, bestätigen: Jürgen Grabowski war ein „feiner Mann“. Einer, der wusste, woher er her kam und der immer auf dem Boden geblieben ist. Am Donnerstag ist der Fußball-Weltmeister von 1974 mit 77 Jahren in einem Wiesbadener Krankenhaus gestorben.

Nicht nur bei der Frankfurter Eintracht ist die Trauer groß. „Dass Jürgen Grabowski verstorben ist, ist für uns alle unbegreiflich“, zeigte sich Vereinspräsident Peter Fischer tief betroffen. Vorstandssprecher Axel Hellmann trauert ebenso um den Ehrenspielführer. „In seiner aktiven Zeit war Jürgen Grabowski vielleicht der vollkommenste Spieler, der für die Eintracht gespielt hat. Seine Aura wirkt bis in die Gegenwart. Grabi, der so gerne bei den Spielen unserer Eintracht dabei war, war generationsübergreifend identitätsstiftend für den Verein.“

Fußballerische Wurzeln bei Biebrich 19 und Biebrich 02

Seine Wurzeln hatte Grabowski in Wiesbaden. Fußballerisch startete er beim SV Biebrich 19, später ging es zum Nachbarn FV Biebrich 02. Dort sorgte der junge Grabi, wie er sein Leben lang respekt- und liebevoll genannt wurde, schnell für Furore, wurde in die Hessenauswahl berufen. Es sollte ein Sprungbrett werden. Die große Eintracht aus Frankfurt wurde auf den filigranen Techniker aufmerksam. Dort kam es 1965 zum Gespräch bei Präsident Rudi Gramlich. „Das ging locker über die Bühne. Ich war stolz, von der Eintracht umworben zu sein. Dann hieß es: Du kriegst 1000 Mark im Monat, – und da gab es keinerlei Feilschen“, schildert Grabowski, der am 14. August 1965 vor 52.000 Zuschauern beim 2:0 über den HSV in der Startelf gebracht wurde. Weitere 440 Startelfeinsätze im Oberhaus sollten hinzukommen. „Dabei wurde ich nie ausgewechselt“, strich Grabi heraus – eine weitere höchst ungewöhnliche Facette seiner bewegten Laufbahn.

Eigene Lieder der Fans für „Grabi und der Holz“

Bei der Eintracht wurden denn auch Lieder für ihn verfasst. „Deutschlands Stolz, der Grabi und der Holz“, besangen die Fans in den 70er Jahren die beiden Fußball-Weltmeister Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein. Mit den Adlerträgern holte das Duo 1974 im Finale gegen den Hamburger SV den ersten Pokalsieg der Eintracht – und der erste Titel seit der Meisterschaft 1959. Bereits ein Jahr später stand die Eintracht wieder im Finale, diesmal gewann die Mannschaft den Pott gegen den MSV Duisburg. In dieser Zeit dichteten die Fans ein weiteres Lied, das heute zu jedem Spiel im Stadion gesungen wird: „Wir haben die Eintracht im Endspiel gesehen, mit dem Jürgen, mit dem Jürgen, sie spielte so gut und sie spielte so schön, mit dem Jürgen Grabowski“. Die Einleitung des Lieds „Schwarz und weiß wie Schnee“ wurde zu einer Liebeserklärung an Grabi, der dem Eintracht-Spiel der 1970er Jahre den Stempel aufdrückte wie kein Zweiter.

Kein Wunder, dass Grabi ruckzuck auch zum Nationalspieler wurde. Der Wahl-Wiesbadener Helmut Schön, von 1964 bis 1978 Bundestrainer, erkannte schnell die Fähigkeiten des echten Straßenfußballers, der früh den Umgang mit dem Ball unentwegt geübt hatte. Am 4. Mai 1966 gab Grabowski gegen Irland sein Debüt in der Nationalelf, wurde auch für die WM in England nominiert, kam aber nicht zum Einsatz. Was auch daran lag, dass damals keine Einwechselspieler erlaubt waren. „Da gab es aber keinen Frust. Ich war glücklich, dabei gewesen zu sein“, sagte Grabowski später.

1970 in Mexiko, als Ersatzspieler gebracht werden durften, avancierte er zum besten Einwechselspieler der Welt, durfte am 17. Juni im Jahrhundertspiel gegen Italien (3:4) gar vom Start weg spielen, um in der Nachspielzeit das von Karl-Heinz Schnellinger erzielte 1:1 aufzulegen. Die Verlängerung wurde zum Drama – Deutschland verlor denkbar unglücklich. Der grandiose Titelgewinn bei der EM in Belgien 1972, zu dem der Wiesbadener beitrug, ließ die Enttäuschung von 1970 vergessen.

Weltmeister in München an seinem 30. Geburtstag

Zwei Jahre später dann der größte Triumph. Der 7. Juli 1974 war gleichzeitig auch der 30. Geburtstag von Grabowski. Das 2:1 im legendären WM-Finale in München gegen die Niederlande mit Grabowski und Hölzenbein hat sich ins kollektive Fußball-Gedächtnis der Deutschen eingebrannt. Hölzenbein holte den Elfmeter zum 1:1 heraus, Grabowski bereitete das 2:1 von Gerd Müller vor. „1954 stand ich als Zehnjähriger vor einem Geschäft, um die Schwarz-Weiß-Übertragung vom deutschen WM-Titel in der Schweiz zu verfolgen. Und dann gewinnt man 20 Jahre später selbst die Weltmeisterschaft. Das ist unbeschreiblich und niemandem zu erklären. Ich dachte damals nach dem Schlusspfiff: Die Welt gehört dir“, erzählte Grabowski anlässlich seines 75. Geburtstages immer noch voller Begeisterung. Nach dem Titelgewinn beendete er seine Nationalmannschaftskarriere. Als rechter Außenbahnspieler absolvierte er 44 Länderspiele, in denen er fünf Tore erzielte. Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 1978 versuchte Helmut Schön, Jürgen Grabowski zu einem Comeback zu überreden, doch Grabi entschied sich dagegen.

Der Eintracht treu und immer authentisch geblieben

Er blieb immer authentisch und verbog sich nicht. Der Eintracht, wo er meist zentral im Mittelfeld spielte, blieb er treu, von 1969 bis 1980 trug er die Spielführerbinde. Im Frühjahr 1980 wurde er beim Ligaspiel gegen Borussia Mönchengladbach durch ein Foul von Lothar Matthäus so schwer verletzt, dass er seine Karriere nicht fortsetzen konnte. Als die Eintracht am Abend des 21. Mai 1980 mit dem Gewinn des UEFA-Pokals den lang ersehnten ersten internationalen Titel erringen konnte, stand Grabi nicht auf dem Platz. Doch die Mannschaftskameraden und die Fans wussten um die Bedeutung von Grabi für die SGE. Bei der Übergabe des Pokals riefen die Fans minutenlang „Grabowski, Grabowski“. Bernd Hölzenbein, der den Pokal für die Eintracht in Empfang nehmen durfte, reichte die Trophäe unter dem Applaus der 60.000 als Erstes weiter an Jürgen Grabowski.

Im Oktober 1980 verabschiedete sich Grabi von der großen Fußballbühne, zum Abschiedsspiel kam die Nationalmannschaft – und mehr als 40.000 Fans. Dem Verein blieb Grabi Zeit seines Lebens verbunden. 1983 betreute er gemeinsam mit Klaus Mank für einige Wochen die Mannschaft, im Verein engagierte er sich bis 1992 im Verwaltungsrat. Doch eine richtige Funktionärskarriere war nie sein Ding. Grabi genoss das Golfspiel, schwärmte für Autos, kickte in Traditionsmannschaften und betrieb weiterhin eine Versicherungsagentur in Taunusstein. Hier hatte er sich mit seiner Frau Helga auch ein Haus gebaut.

In den vergangenen Jahren war Jürgen Grabowski gesundheitlich angeschlagen. Regelmäßig musste er zur Dialyse. Im Januar stürzte Grabowski im Bad, musste nach einem Oberschenkelhalsbruch mehrfach operiert werden. In der Folge kam es zu Komplikationen – letztlich zu viel für die Legende. Doch sein Name wird weiter durch das Frankfurter Stadion hallen – inbrünstig gesungen von den Fans. „Für mich war er einer der größten Künstler, den wir bei der Eintracht hatten – wenn nicht sogar der größte“, sagte Bundesliga-Rekordspieler Karl-Heinz Körbel einmal. Die Eintracht wird beim Bundesliga-Heimspiel an diesem Sonntag gegen den VfL Bochum mit Trauerflor spielen, zudem ist eine Schweigeminute geplant.

Quelle: WK 11. 03. 22022

Eintracht Legende Jürgen Grabowski gestorben

An seinem 30. Geburtstag leitete Jürgen Grabowski den Siegtreffer zum deutschen WM-Triumph von München 1974 ein. Jetzt ist die Eintracht-Legende tot. Von dpa

Frankfurt/Main – Der deutsche Fußball und vor allem Eintracht Frankfurt trauern um einen Weltmeister von 1974 und ganz Großen ihres Sports: Jürgen Grabowski ist im Alter von 77 Jahren gestorben.

Sein Name hallt bis heute immer wieder durch das Frankfurter Stadion – inbrünstig gesungen von den Fans. Und am Sonntag, wenn die Eintracht gegen den VfL Bochum spielt, wird dies ganz besonders so sein.„Jürgen Grabowski war ein wunderbarer Mensch und ein großartiger Fußballer. Für Eintracht Frankfurt ist er eine Legende, für die deutsche Nationalmannschaft und die gewonnene WM 1974 war Jürgen enorm wichtig“, sagte der damalige DFB-Kapitän Franz Beckenbauer in einer Stellungnahme auf der Eintracht-Homepage. „Mit ihm haben wir einen Freund und brillanten Fußballer verloren.“

Eintracht spielt mit Trauerflor

Die Eintracht wird am Sonntag (17.30 Uhr/DAZN) gegen den VfL Bochum mit Trauerflor auflaufen, zudem wird es vor dem Anpfiff eine Schweigeminute geben. „Wir haben die Eintracht im Endspiel gesehn, mit dem Jürgen, mit dem Jürgen. Sie spielte so gut und sie spielte so schön mit dem Jürgen Grabowski! Schwarz Weiß wie Schnee, das ist die SGE“, so heißt es im Dauerhit der Thrash-Metal-Band Tankard, der vor jedem Spiel im Stadion erklingt.

In Frankfurt war Grabowski der Spielmacher, in der Nationalmannschaft agierte er meist als Rechtsaußen – wegen Wolfgang Overath und Günter Netzer. „Für mich war er einer der größten Künstler, den wir bei der Eintracht hatten – wenn nicht sogar der größte“, sagte Bundesliga-Rekordspieler Karl-Heinz Körbel einmal. Nun trauert er um einen Freund und sagte: „Das mit Jürgen muss ich erst einmal verarbeiten. Das ist gar nicht wahr.“

Overath: „Mit dem Ball konnte er alles“

Die Komplikationen nach einem Oberschenkelhalsbruch und Vorerkrankungen – am Ende war dies für Grabowski zu viel. Am Donnerstagabend starb die Eintracht-Legende in einem Wiesbadener Krankenhaus, wie seine Ehefrau der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Zuerst hatte die Mediengruppe VRM berichtet.

Overath bezeichnete Grabowski einst als „einen ganz feinen Menschen, ein super Junge. Mit dem Ball konnte er alles.“ Grabowski bestritt 44 Länderspiele und 441 Begegnungen in der Bundesliga für die Eintracht. Er war Welt- und Europameister, UEFA-Cup-Sieger 1980 und 1974 und 1975 DFB-Pokalgewinner.

„In seiner aktiven Zeit war Jürgen Grabowski vielleicht der vollkommenste Spieler, der für die Eintracht gespielt hat. Seine Aura wirkt bis in die Gegenwart“, sagte Frankfurts Vorstandssprecher Axel Hellmann. Beim DFB-Bundestag in Bonn wurde am Freitag eine Gedenkminute für Grabowski abgehalten.

Schon 1966 gehörte die Eintracht-Legende zum WM-Kader, spielte aber nicht. 1970 kam der Dribbler und Stratege nicht an einem vorbei, der an fast allen Abwehrspielern vorbei kam: Stan Libuda. Der Frankfurter erhielt aber die für ihn zweifelhafte Auszeichnung „Bester Einwechselspieler der Welt“. Und im „Jahrhundertspiel“ gegen Italien schlug Grabowski die Flanke zu „ausgerechnet Schnellinger“ (Kultkommentar von Ernst Huberty). Der Italien-Profi erzielte in letzter Sekunde das Ausgleichstor, ehe das Halbfinalspiel nach Verlängerung noch mit 3:4 verloren ging.

Grabowski legte WM-Siegtreffer auf

An seinem 30. Geburtstag leitete Grabowski den 2:1-Siegtreffer im WM-Finale von München ein: Öffnender Pass zu Rainer Bonhof, Flanke, Tor und Luftsprung Gerd Müller. An jenem 7. Juli 1974 dachte Grabowski: „Die Welt gehört dir.“ Dabei war er nach dem blamablen 0:1 gegen die DDR aus der Mannschaft geflogen, was ihn tief getroffen hat. Als Einwechselspieler gelang ihm dann aber das vorentscheidende 3:2 gegen Schweden und er war wieder in der ersten Elf. „Diesem Spiel“, sagte er immer wieder, „verdanke ich alles.“

Nach dem WM-Titelgewinn trat Grabowski aus dem Nationalteam zurück, bei der Eintracht trumpfte er aber weiter auf. Von 1965 bis 1980 spielte er für die Adler, zuvor nur in Biebrich. Sein Lieblingstrainer war Gyula Lorant. Der Ungar ließ schon eine Art Raumdeckung spielen und seine Spieler genüsslich noch einen Mokka schlürfen, während die gegnerische Mannschaft bereits mit klackernden Stollen im Kabinengang auftauchte und von so viel Gelassenheit beeindruckt war.

Kurz vor seinem 75. Geburtstag begleitete die Deutsche Presse-Agentur Grabowski durchs Museum seines Vereins. Er kam in seinem schicken Mercedes und sagte entschuldigend: „Autos waren schon immer meine Schwäche.“ Von seinem ersten Handgeld – 12 000 Mark für zwei Jahre zusätzlich zum Monatsgehalt von 1000 Mark – hat er sich damals einen „Triumph Spitfire“ gekauft. In Feuerrot.

Erfolgreiche Karriere

Im Museum findet man Erinnerungen an Grabowski an vielen Ecken und Enden. Der gebürtige Wiesbadener schaute sich damals suchend um: Wo ist denn nur die Replik des WM-Pokals? Ein Mitarbeiter brachte hurtig die Mini-Trophäe aus einem Nebenraum und versprach, dass sie in eine Vitrine kommt.

Ein Aufsehen erregendes Foto von Grabowski stammt vom DFB-Pokal-Finale 1974. Der Kapitän hatte nach dem Sieg gegen den Hamburger SV etwas übereifrig den gerade erlaubten Trikottausch vollzogen, streifte sich das HSV-Hemd mit der fetten Campari-Werbung über und hielt den Pokal hoch. „Ich hatte mir nichts dabei gedacht, aber das hat mir mächtig Ärger eingebracht“, erinnerte er sich. „Dafür hat mir Campari nachher sechs Flaschen geschickt.“

Beim UEFA-Cup-Gewinn 1980 reckt Grabowski den schweren Cup in Zivilkleidung in die Höhe. Bernd Hölzenbein hatte ihn seinem Mit-Weltmeister und Freund als erstem überreicht. Ein Foul von Lothar Matthäus und eine schwere Fußverletzung hatten kurz zuvor Grabowskis famose Karriere beendet.

40.000 beim Abschiedsspiel

Zu seinem Abschiedsspiel zwischen der Eintracht und der WM-Mannschaft von 1974 im damaligen Waldstadion kamen über 40.000 Fans. Das schöne Plakat ist das Prunkstück einer Extra-Vitrine. „Davon habe ich noch 40 Poster zuhause“, sagte der Ehrenspielführer der Frankfurter damals. „Ist immer noch ein schönes Geschenk.“

Nach seiner Karriere betrieb Grabowski zusammen mit seiner Frau Helga, mit der er in Taunusstein lebte, eine Versicherungsagentur. Er war mal kurz Interimstrainer der Eintracht, saß im Verwaltungsrat. Eine Funktionärs- oder Managerkarriere hatte er aber „nie im Sinn.“

Im Eintracht-Museum saß er damals nicht lange unbemerkt beim Interview an einem Tisch. Eine Klasse vom Gymnasium Riedberg stellte sich brav an, jeder Schüler wollte sich einzeln mit Grabowski fotografieren lassen. Ein Fünfklässler reichte ihm die Hand: „Es war mir eine große Ehre, Sie kennengelernt zu haben.“ Grabowski blickte ihm in die Augen – und lächelte. Bis zuletzt bekam Grabowski jeden Tag per Post Autogrammwünsche.

Quelle: WK, 11. 03. 2022

14. 01. 2022

„Biebrich 02 und Gruppenliga, das passt einfach nicht!“

Nachspielzeit mit David Schug +++ Der Innenverteidiger über seinen Wechsel zu Biebrich 02 und was Rock`n Roll mit seiner Fitness zu tun hat

Wiesbaden/Würzburg. Fußballspielen lernte David Schug beim SV Wehen Wiesbaden, wo er die ersten 18 Jahre seiner Laufbahn verbrachte, erst in der Jugend, später dann in der zweiten Mannschaft in der Regional- und Oberliga. Von da aus ging es für ihn über den SV Wiesbaden und Hadamar 2016 zum ersten Mal zum FV Biebrich. Nach drei Jahren bei den Biebrichern zog es den damaligen Decathlon-Filialleiter und Kapitän der Mannschaft berufsbedingt Richtung Würzburg. Dort spielte er dann für die TG Höchberg, offensichtlich verlor er aber nie ganz den Kontakt zu den alten Kollegen. Zur Rückrunde wird er nämlich wieder für die Blau-Weißen auf dem Platz stehen, um sie nach einer schwierigen Hinrunde zu unterstützen und den drohenden Abstieg zu verhindern. Im Interview erklärt Schug, wie es zum erneuten Engagement beim FV kam, welche Rolle seine Rock‘n Roll Vergangenheit für seine Fitness spielt und wie er seinen neuen Job in der Nähe Stuttgarts mit dem Verbandsliga-Alltag in Wiesbaden verknüpfen will.

FuPa: Hallo David, wahrscheinlich hat niemand damit gerechnet, dass du für die Rückrunde wieder bei Biebrich 02 am Start sein wirst. Das liegt vor allem an deiner Arbeitsstelle in Würzburg und wie wir gehört haben, deinem zukünftigen Job in der Nähe Stuttgarts. Wie kam es zu dem Wechsel und was verbindet dich mit dem FV?

David Schug: Mein Wechsel vor drei Jahren war sehr spontan, da ich ein spannendes Jobangebot in Würzburg erhalten hatte. Ich wollte das Angebot zunächst nicht wirklich annehmen, da zu der Zeit mein Sohn geboren wurde und ich auch Kapitän der Mannschaft war. Nazir Saridogan, unser Coach, damals wie heute, hat mir dann aber gesagt: „Mach das, das ist eine Riesenchance!“, und letzten Endes bin ich diesem Rat gefolgt, womit ich jetzt im Nachhinein sehr zufrieden bin. Das erste Jahr bin ich noch mehrfach in der Woche zwischen Würzburg und Biebrich gependelt, da ich bis zum Ende der Saison zugesagt hatte und mein Wort halten wollte. In der darauffolgenden Saison war aber klar, dass das mit Beruf und Familie zu hektisch wird, weswegen ich mich der TG Höchberg, einem Verein nahe Würzburg, angeschlossen habe. Ich hatte hier drei Jahre eine schöne Zeit, war zuletzt auch Kapitän. Es war jedoch immer klar, dass wenn sich jobtechnisch was tut, wir hier unsere Zelte abbrechen werden. So kam es dann jetzt auch und als Nazir mich im November gefragt hat, ob ich meinem alten Verein in der schwierigen Phase unterstützen kann, habe ich gesagt: „Ok, warum nicht?“ Mit Moritz Christ, Orkun Zer und noch ein paar anderen, sind auch noch Jungs von früher da, mit denen ich gerne nochmal zusammenspielen wollte und Lust habe sie dabei zu unterstützen eine erfolgreiche Rückrunde zu spielen.“

FuPa: Wie oft in der Woche wirst du es nach Biebrich schaffen, beziehungsweise wie sieht deine zeitliche Planung für das kommende halbe Jahr aus?

David Schug: „Früher waren die Wochenenden jobtechnisch und auch sportlich gesehen immer voll verplant, jetzt habe ich einfach mehr Zeit und kann auch aus dem Homeoffice arbeiten. Deshalb kann ich hoffentlich auch ab und zu mal von Donnerstag bis Sonntag nach Wiesbaden kommen, um so das Abschlusstraining und das Spiel mitzunehmen. Dazu werde ich mir in Stuttgart einen neuen Verein suchen, bei dem ich mich dann fit halten kann. Wie viele Spiele für Biebrich es am Ende werden, wird sich zeigen. Natürlich will ich so viele Spiele machen wie möglich, aber im Gegenzug auch meiner Familie nicht zu viel zumuten.“

FuPa: Und nach der Rückrunde, wie geht es da für dich weiter? Bleibst du dem FV auch längerfristig erhalten?

Dennis Schug: „Wehen bzw. der Wiesbadner Raum ist meine Heimat, hier wohnt meine Familie und meine Freunde. Wir wollen auf jeden Fall irgendwann einmal zurückziehen und haben deshalb ein Haus in Wiesbaden gekauft. Wann genau das aber sein wird, also wie lange das jetzt in Stuttgart geht, wird sich zeigen. Auch was danach passiert, fußballtechnisch gesehen, steht noch nicht fest. Die Hessenliga beispielsweise ist ein Reizthema für mich, jetzt zählt aber erstmal nur der Klassenerhalt mit Biebrich.“

FuPa: Was habt ihr euch bei Biebrich für die Rückrunde vorgenommen und wo müsst ihr euch noch steigern?

David Schug: „Ich habe noch nicht mit der Mannschaft gesprochen, aber das Ziel ist es mit Sicherheit erstmal nicht abzusteigen. Ich persönlich denke das Ziel sollte es sein gesichert in der Liga zu bleiben, nicht nur knapp. Mit dem Potential und den Spielern, die du hast, gehörst du da unten nicht hin, fertig aus. Ich habe mir zwei Spiele angeguckt in der Hinrunde und finde, dass es absolut nicht an Qualität im Team mangelt. Sinnbildlich dafür war für mich das Spiel in Eltville, in dem Biebrich drückend überlegend war und das Spiel hätte gewinnen müssen. Stattdessen fängt man sich zwei Dinger, wo du dir nur denkst: „Das ist doch Wahnsinn!“ (Anm. d. Red.: Endergebnis: 3:2 für Eltville). Zum Spielpech kommen dann auch noch Verletzungen hinzu, aber andere Vereine haben auch Verletzte, das will ich gar nicht als Ausrede benutzen. Am Ende sind wir selbst dafür verantwortlich die Power auf den Platz zu bringen und auch mit Verletzungen umzugehen, beziehungsweise ihnen vorzubeugen. Trotzdem, Biebrich 02 und Gruppenliga, das passt einfach nicht!“

FuPa: Wie schätzt du eure Liga ein? Zwischen euch als 14. und dem fünften Platz liegen lediglich neun Punkte. Macht es das für euch schwieriger, weil ihr oft nicht wisst, was auf euch zukommt am Wochenende?

David Schug: „Über die Ligakonstellation bin ich schon ein wenig überrascht. Das Niedernhausen als Neuling so gut dasteht, oder auch Eltville, damit habe ich nicht gerechnet. Das soll die Leistung der Vereine nicht schmälern, ich habe ein gutes Verhältnis zu Maurice (Anm. d. Red.: Burkhardt, Trainer von Niedernhausen), aber Corona hat die Liga schon ein wenig durchgemischt und unberechenbarer gemacht. Früher war die Rangordnung in der Liga viel klarer, heute hängt es mehr von der Tagesform ab. Dadurch, dass es so knapp ist, will ich nicht zum Sturm auf den Klassenerhalt aufrufen, weil unsere Situation nicht so düster ist, wie es der Tabellenplatz vermuten lässt. Durch ein paar gute Wochen kann sich die Tabellenkonstellation schnell ändern. Umso wichtiger ist es gut und vor allem fit aus der Winterpause zurückzukommen. „

FuPa: Das Thema Fitness scheint bei dir auch generell eine große Rolle zu spielen. In unserer Datenbank ist uns aufgefallen, dass du schon extrem viele Spiele auf dem Buckel hast. 261 Partien stehen dort derzeit auf deinem Spielekonto. Wie schaffst du das, was ist dein Geheimrezept?

David Schug: „Ja, das stimmt, ich habe bisher in meiner Fußballerlaufbahn nur selten Spiele verletzt verpasst. Mit den Jungs aus meinem Team witzeln, beziehungsweise philosophieren wir auch oft darüber. Vielleicht liegt es an meiner Rock‘n Roll Vergangenheit. Bis zum 14. Lebensjahr habe ich nämlich Rock‘n Roll getanzt und wurde damals bei den Weltmeisterschaften immerhin Neunter (lacht). Dadurch habe ich schon früh viel gemacht in den Bereichen Dehnen, Koordination und Bewegungsanalytik, was sicherlich auch ein Grund ist weshalb ich bis heute keine schwerwiegenden Muskelverletzung hatte. Das Gute ist, dass ich auch durch die Arbeit immer sehr mit dem Sport verbunden bin und ich mich auch im Privaten immer fit halte. Die Anzahl an spielen kommt also nicht von ungefähr.“

FuPa: Du warst früher bei Wehen Wiesbaden Kapitän, später dann auch bei Biebrich und zuletzt bei der TG Höchberg. Wie kommt es, dass du immer wieder diese Führungsrolle einnimmst? Ist dir das angeboren und ab wann sehen wir dich beim FV wieder als Kapitän auf den Platz?

David Schug: „Nein, bei Biebrich wird man mich nicht mit der Binde sehen, das sollen andere machen. Es gibt einige Jungs, die schon deutlich länger da sind und mit Orkun (Anm. d. Red.: Zer) haben wir ja schon den passenden. Generell glaube ich aber schon, dass es Teil meine Persönlichkeit ist, in die Führungsrolle zu schlüpfen, dazu brauche ich aber keine Kapitänsbinde.“

Quelle: fupa.net, 14. 01. 2022

10. 01. 2022

Franz Hassler wird achtig Jahre

WIESBADEN (hz). Am 2. Januar wird Franz Hassler 80. Der Biebricher ist unter den Fußballern eine Rarität. Und das gleich in zweifacher Hinsicht. Er gehört zu den Stillen im Land. Laute Töne sind ihm fremd, derbe Beschimpfungen ohnehin. Steht auf dem Sportplatz einer neben ihm, der dem Schiedsrichter unfreundliche Worte entgegenruft, nimmt er einen Meter Abstand und lächelt milde. Und trotz seines fußballerischen Talents, das er schon in jungen Jahren bewies, wechselte er nie den Verein auf der Suche nach der großen Karriere. Oder dem großen Geld, um das es in seiner aktiven Zeit ohnehin noch nicht ging. Als 13-Jähriger ist Franz Hassler 1955 Mitglied bei Biebrich 02 geworden – und über 66 Jahre geblieben.

Noch als A-Jugendlicher wurde der versierte Techniker im Juni 1960 von Trainer Heinz Przybilla ausgerechnet im Entscheidungsspiel um den Hessenliga-Verbleib gegen Olympia Lorsch erstmals in die erste Mannschaft berufen. Mit einer starken Leistung in der für ihn ungewohnten Rolle als Linksaußen imponierte er beim 1:0-Sieg derart, dass er auf Anhieb zum Stammspieler wurde. Hassler gestaltete in den folgenden Jahren an der Seite von Jürgen Grabowski, Gerd Klier, Willi Peuckmann und Co. die erfolgreiche Zeit der 02er im Amateur-Oberhaus mit, hielt ihnen aber wie selbstverständlich im anschließenden Niedergang die Treue und erlebte dann das Wiederaufblühen mit.

Eine schöne Erinnerung ist für ihn auch das Freundschaftsspiel gegen Eintracht Frankfurt am 25. August 1971. Er war Kapitän der Biebricher, Jürgen Grabowski bei der Eintracht. Und die beiden Freunde waren vor 2400 Zuschauern die einzigen Torschützen an diesem schönen Biebricher Sommerabend. Der Grabi hatte den Bundesligisten 2:0 in Führung gebracht, Franz Hassler mit seinem Schuss zum 1:2 für den Endstand gesorgt. Bis ins fortgeschrittene Alt- Herren-Alter streifte er sich das blaue Trikot über. „Unsere AH war damals lange Zeit sehr erfolgreich. Wir waren sehr gut besetzt, haben sämtliche Turniere gewonnen.“ Hassler, der von seinem Haus am Scholzweg das Dyckerhoff-Sportfeld stets im Blick hat, engagierte sich bei den 02ern als Jugendtrainer und als Platzkassierer. Und heute gehört er, der einst in den Derbys gegen SVW, Germania und Kastel 06 vor fünf-, sechstausend Zuschauern auf dem Rasen stand, zu den kaum noch hundert Besuchern, die regelmäßig die Spiele der Blauen verfolgen.

Als Trainer war er jahrelang in kleineren Vereinen tätig. In Niederseelbach, bei der Spvgg. Amöneburg und vor allem beim FSV Oberwalluf, wo man die freundlich-zurückhaltende Art von Franz Hassler besonders zu schätzen wusste. Enge Freundschaften in den Rheingau sind da entstanden, die bis heute halten. Genau wie die zu den einstigen Mitspielern aus Hessenliga-Zeiten. Die „Überlebenden“ treffen sich regelmäßig einmal im Monat im „Trimonzium“ an der Straße der Republik. Beim nächsten Mal wird dabei auch auf Hasslers runden Geburtstag angestoßen.

Quelle: WK, 30. 12. 2021

20. 10. 2021

02er profitieren von SVWW-Quartett Warum die Biebricher Hessenliga-A-Junioren viel Anlass zur Hoffnung geben – auch für die eigene Erste

WIESBADEN (nn). Die U 19-Fußballer des SV Wehen Wiesbaden führen in der A-Junioren-Hessenliga mit bislang makelloser Bilanz unter dem neuen Trainer Sandro Stuppia das Feld an. Aber auch die Zwischenbilanz des zweiten heimischen Starters kann sich sehen lassen: Die vom Trainertandem Salih Dik-Fesci und Christian Bissinger gecoachte Mannschaft des FV Biebrich 02 rangiert mit drei Siegen und drei Niederlagen auf Rang neun. Klettert sie im Verlauf der einfachen Spielrunde noch zwei Plätze nach oben und schließt unter den ersten sieben Teams ab, wären Klassenerhalt und Teilnahme an der Meisterrunde in Stein gemeißelt.

02-Jugendchef Hartmut Steindorf siedelt das Leistungsvermögen des Teams im Bereich zwischen Platz fünf und zehn an, „deshalb ist für uns Platz sieben schon das Ziel“. Nach zwei Jahren ohne Saisonwertung, in denen die 02er mutmaßlich in normalen Zeiten beide Male abgestiegen wären, hat sich nunmehr ein mehr als hoffnungsvolles Gefüge zusammengefunden.

Rückkehr von Nikos Iosifidis mit Dominoeffekt

Begünstigt durch glückliche Fügungen. Nikos Iosifidis, zuletzt beim 2:1-Heimsieg über den FC Gießen in der Schlussminute der Siegtorschütze, war aus der der D-Jugend des JFV Schlangenbad zu den 02ern gewechselt, die er 2020 in Richtung SV Wehen Wiesbaden verließ. Um anfangs verletzt auszufallen, erst spät Startelfeinsätze zu bekommen, eher ihm im April mitgeteilt wurde, dass er nicht weiter übernommen werde.

Seine Rückkehr wurde für die Biebricher zum absoluten Glücksfall. Denn auch sein Schlangenbader Weggefährte Tom Luft, der im D-Jugendalter zum SVWW gewechselt war, Jan Urbich und Vlorim Jonuzi, die ebenfalls in der Halberg-Schmiede keine Chance mehr hatten, schlossen sich den 02ern an. Wobei Jonuzi nach seinem Beginn beim SV Blau-Gelb bis zur C-Jugend in Biebrich spielte, danach noch bei Schott Mainz Station machte. „Alle hatten andere Angebote, etwa von RW Frankfurt oder dem FSV Frankfurt. Deshalb sind wir schon ein bisschen stolz, dass sie sich für uns entschieden haben“, sagt Steindorf.

Weiterer Vorteil: Der Kader besteht etwa zur Hälfte aus Spielern des älteren und jüngeren Jahrgangs, was angesichts hoffnungsvoller Spieler in der A-2-Jugend von Trainer Yasar Akyol und bei den B-Junioren unter Coach Dennis Groth Perspektiven für die U 19 der Spielzeit 2022/23 eröffnet. Generell sieht Steindorf auch Potenzial für die erste Mannschaft. Hessenauswahl-Keeper Maximilian Krapf und Elias Walter, ein körperlich ungemein robuster und gleichzeitig beweglicher Mittelstürmer, zählen zur Garde der Hoffnungsträger, die bereits einmal in der Woche bei den Verbandsliga-Männern mittrainieren. In der aktuellen Hessenliga-A-Jugend zählen die beiden zu den Stützen. Krapf war im zweiten B-Jugendjahr aus Wehen nach Biebrich zurückgekehrt. Bleibt die spannende Frage, welche der vielversprechenden Youngster auch im Aktivenbereich das blaue Trikot tragen werden.

Quelle: WK, 20. 10. 2021

20. 08. 2021

Der neue Vorsitzende Heinz-Jürgen Hauzel mit den für langjährige Vereinstreue Geehrten:  Jürgen Dindorf, Heiko Esper, Franz Haßler, Michael Gabel, Lothar Rohde, Hermann „Bubi“ Portugall, Dieter Lindner, Horst Kalb, Horst Krämer, Karl-Heinz Zorn, Willi Peuckmann, Dieter Zorn und Horst Klee (von links).

Bild Copyright: Uwe Kilian

Die Übergabe!

Bild Copyright: Uwe Kilian

50 Jahre – eine Ära geht zu Ende. Der Verein bleibt in guten Händen.

Bild Copyright: Frank Hennig

Endlich konnten wir im Biebricher Fußballverein auch wieder eine Mitgliederversammlung abhalten. Am 20. August wurden im Vereinsheim alle Wahlen, die schon im vergangenen Jahr und in diesem Frühling stattfinden sollten, durchgeführt. Das bedeutete, dass der komplette Vorstand neu gewählt wurde. Die eine Hälfte für ein Jahr, die andere für zwei, um wieder in den alten Rhythmus zu kommen. So ist nun auch die schon im Vorjahr geplante Ablösung in der Position des Vorsitzenden über die Bühne gegangen. Horst Klee, der wegen der Corona-Pandemie im März doch die 50 Jahre komplettiert und das Goldjubiläum als Ober-Blauer gefeiert hat, wird endgültig ins zweite Glied treten. Natürlich wird er die 02er weiterhin nach Kräften unterstützen. Fit genug ist er.

Bekanntlich ist Klee, der im November seinen 82. Geburtstag begeht, im März von den Wählern noch einmal mit beeindruckendem Ergebnis in den Ortsbeirat geschickt und im April von dem Gremium wieder zum Biebricher Ortsvorsteher gewählt worden. Und seitdem führt er die Sitzungen des Beirats trotz schwieriger Zusammensetzung mit all seiner Erfahrung aus Stadtparlament und Landtag souverän.